Brunello Cucinelli

Von der umbrischen Landschaft in die Welt des Parfums

Was haben Philosophie, ein mittelalterliches Dorf in Umbrien und italienische Parfümkunst gemeinsam? Die Antwort lautet Brunello Cucinelli – ein Designhaus, in dem der Mensch, die Natur und die Schönheit schon immer mehr Raum einnehmen durften als die Jagd nach dem nächsten Trend. Als die Marke den Schritt in die Welt des Parfums wagte, wurden die Düfte deshalb zu mehr als nur einem weiteren Accessoire. Sie wurden zu einer neuen Art, dieselbe Geschichte zu erzählen.


Zusammenfassung

  • Brunello Cucinelli gründete sein Unternehmen 1978 und hat die Marke rund um italienisches Handwerk, Natur und seine Philosophie des „humanistischen Kapitalismus“ aufgebaut.

  • Das Dorf Solomeo in Umbrien ist sowohl die Heimat des Unternehmens als auch eine zentrale Inspirationsquelle – etwas, das auch die Parfums der Marke prägt.

  • Die Duftwelt wurde 2023 mit Pour Homme und Pour Femme eingeführt und anschließend um die poetische Kollektion Incanti Poetici erweitert.


Es gibt Modehäuser, die ihre Welten um Logos herum aufbauen. Brunello Cucinelli hat seine um ein Dorf herum aufgebaut.

Solomeo ist das kulturelle und spirituelle Herz Umbriens, ein architektonisches Juwel inmitten sanfter Hügel in Mittelitalien. Hier hat Cucinelli nicht nur seinen Firmensitz, sondern hat über Jahrzehnte hinweg das mittelalterliche Dorf restauriert und Orte für Handwerk, Kultur und Arbeit geschaffen. 

Genau hier findet sich auch der Schlüssel zu den Parfums der Marke. Zypressen, Erde, Holz, Sonnenlicht, Gewürze und die umbrische Natur kehren in den Düften immer wieder. Selbst das Gefühl von Kaschmir – jenem Material, das Brunello Cucinelli einst berühmt machte – hat ein olfaktorisches Gegenstück erhalten.

Der Philosoph, der mit Kaschmir begann

Brunello Cucinelli wurde 1953 geboren und wuchs in einer Bauernfamilie außerhalb von Perugia auf. Seine Kindheit verbrachte er zwischen Feldern, Obstbäumen und Wäldern, in einem Leben, in dem die Familie eng mit der Natur verbunden war. Doch eine andere Erfahrung sollte für seine Zukunft mindestens ebenso prägend werden.

Als sein Vater die Landwirtschaft verließ, um in einer Fabrik zu arbeiten, erlebte der junge Brunello, wie Arbeit einem Menschen seine Würde nehmen konnte. Die Erfahrungen seines Vaters hinterließen einen tiefen Eindruck und wurden später zu einem der Grundgedanken dessen, was Cucinelli als humanistischen Kapitalismus bezeichnet: Ein Unternehmen darf Geld verdienen, aber niemals auf Kosten des Menschen.

Das klingt vielleicht eher nach Philosophie als nach Betriebswirtschaft. Und genau das ist ein Teil des Gedankens. Cucinelli hat sich im Laufe der Jahre gerne auf Philosophen wie Kant, Sokrates und Marc Aurel berufen. Als er 1978 begann, mit farbigem Kaschmir zu arbeiten, bestand sein Ziel daher nicht nur darin, schöne Kleidung zu schaffen. Er wollte ein Unternehmen aufbauen, in dem Handwerk, Schönheit und Wirtschaftlichkeit mit dem Respekt vor den Menschen, die die eigentliche Arbeit leisten, in Einklang stehen konnten.

Solomeo – mehr als eine Adresse

1985 zog das Unternehmen nach Solomeo, in jenes mittelalterliche Dorf, in dem seine Frau Federica aufgewachsen war. Mit der Zeit wurde der Ort immer enger mit dem Unternehmen und Cucinellis eigener Philosophie verwoben.

Alte Gebäude wurden restauriert. Ein Theater wurde errichtet. Handwerk und traditionelle Fertigkeiten erhielten eigene Räume. Cucinelli bezeichnet sich lieber als vorübergehenden Hüter des Ortes denn als dessen Besitzer – mit dem Gedanken, etwas zu hinterlassen, das sowohl den Menschen als auch das Unternehmen überdauern kann. Die Überzeugung, dass handwerkliches Wissen weitergegeben werden sollte, erklärt auch, warum es bei Brunello Cucinelli nie wirklich um kurzlebige Trends ging.

Als Solomeo zu einem Parfum wurde

Die Arbeit an Brunello Cucinellis ersten Parfums begann 2019 gemeinsam mit dem italienischen Parfumunternehmen EuroItalia. Vier Jahre später wurden Pour Homme und Pour Femme vorgestellt – zwei Düfte, die geschaffen wurden, um Cucinellis Welt in etwas zu übersetzen, das man weder sehen noch berühren kann.

Der Parfümeur Olivier Cresp ließ sich für Brunello Cucinelli Pour Homme von den Zypressenreihen vor dem blauen Himmel rund um Solomeo inspirieren. Bergamotte und Gewürze verleihen der Komposition Licht und Luft, bevor Zypresse, Wacholder und aromatische grüne Noten übernehmen. Holz und warme Ambernoten verankern den Duft in der Landschaft.

Pour Femme wurde von Daphné Bugey mit einem anderen Ausgangspunkt kreiert: dem Gefühl von Cucinellis Kaschmir. Zitrusnoten und rosa Pfeffer treffen auf Orangenblüte und einen ungewöhnlichen Kastanienakkord, bevor Zedernholz, Vetiver, Weihrauch und Moschus der Komposition eine sanftere Tiefe verleihen.

Das Interessante ist, dass keiner der beiden Düfte versucht, nach „Mode“ zu riechen. Vielmehr versuchen sie, einen Ort und ein Gefühl einzufangen. Pour Homme steht für die Zypressen und die Landschaft. Pour Femme für die Farben, die Materialien und das weiche Gefühl von Kaschmir auf der Haut.

Incanti Poetici – wenn Duft zu Poesie wird

Das nächste Kapitel führte die Idee deutlich weiter. Mit der Parfumkollektion Incanti Poetici – etwa „poetische Verzauberungen“ – wurden die Düfte freier und emotionaler. Hier geht es weniger um ein traditionelles Herren- oder Damenparfum als vielmehr um Augenblicke, Natur und Stimmungen.

Die ersten sechs Kompositionen – Vie Eteree, Soffio Zenit, Sogno Notturno, Brezza Gentile, Ombra Lirica und Vento Ardente – bewegen sich durch unterschiedliche Interpretationen von Licht, Luft, Erde, Holz und Wärme. Die Namen klingen beinahe wie Fragmente eines Gedichts, und das ist kein Zufall. Cucinelli selbst beschreibt die Kollektion als eine Begegnung zwischen der Kunst der Poesie und der Kunst der Parfümerie.

Später führten Segreto, Silenzio und Ricordo die Geschichte weiter. Drei unterschiedliche Interpretationen von Brunello Cucinellis poetischem Duftuniversum, in dem Zitrusfrüchte und florale Noten auf würzige und holzige Nuancen treffen, jedoch mit derselben Grundidee: Ein Parfum soll ein Gefühl wecken, anstatt lediglich eine Sammlung von Duftnoten zu präsentieren.

Der Duft einer Lebensphilosophie

Es ist leicht, Philosophie als schöne Worte abzutun, wenn sie von einem Unternehmen verwendet wird. Bei Brunello Cucinelli fällt das schwerer, denn dieselben Ideen haben ihn durch den größten Teil seines Berufslebens begleitet. Die Würde des Menschen, der Respekt vor der Natur, die Bedeutung des Handwerks und die Vorstellung, dass Schönheit einen eigenen Wert besitzt, finden sich überall wieder.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sich die Parfums wie eine ungewöhnlich natürliche Erweiterung des Hauses anfühlen. Duft ist schließlich eng mit Erinnerung, Natur und Orten verbunden – drei Dinge, die in Cucinellis eigener Geschichte immer wiederkehren.

Von den Zypressen rund um Solomeo über Kastanie, Holz und Weihrauch bis hin zu den verträumteren Kompositionen von Incanti Poetici findet sich dasselbe Streben: etwas zu schaffen, das nicht laut sein muss, um wahrgenommen zu werden.

Brunello Cucinelli begann mit Kaschmir. Fast fünfzig Jahre später hat seine Welt einen Duft bekommen.

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