Die Geschichte der Rasur und des Bartes
Five o’clock, Goatee, Franz-Josef, Schiffersbart, Royale,
Tangobart, Victor Emanuel, Kaiserbart, Van Dyke und Verdi.
Geschrieben mit Barbier Simon
Wenn Ihnen einige dieser Begriffe bekannt vorkommen, erkennen Sie sicher, dass wir uns hier mit Stilstudien aus dem vielfältigen und umfangreichen Katalog der Bartmode beschäftigen. So wie sich Rasiertechniken und Werkzeuge im Laufe der Geschichte entwickelt haben, hat auch die männliche Gesichtsbehaarung im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Phasen durchlaufen. Wir folgen hier beiden Entwicklungen.

Mode und Schönheit in all ihren Formen werden in der modernen Zeit traditionell mit Frauen in Verbindung gebracht. Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass Mode über Jahrhunderte hinweg mindestens ebenso stark auf Männer ausgerichtet war und dass Männer früher oft diejenigen waren, die Trends bestimmten. Frisuren, Kleidung, Perücken, Bartstile und sogar Make-up in extravaganten und auffälligen Varianten auf historischen Porträts zeigen, wie äußere Merkmale genutzt wurden, um Macht, Identität oder Selbstdefinition auszudrücken.
Schon in der prähistorischen Zeit gab es bei Männern ein starkes Bewusstsein für das eigene Aussehen, das häufig spirituell begründet war. Make-up und Frisuren hatten religiöse und rituelle Symbolik, etwa in Form von Körperbemalungen alter Kulturen. Warum Menschen bereits um 30.000 v. Chr. begannen, sich zu rasieren, wissen wir nicht genau, aber man vermutet, dass Steinzeitmenschen entdeckten, dass sich Feuerstein zu scharfen Klingen schleifen ließ, die als Rasiermesser dienen konnten. Auch Muschelschalen sollen verwendet worden sein, bis man um 3000 v. Chr. begann, Metall zu bearbeiten und neue Materialien und Methoden zur Entfernung von Bartwuchs zu entwickeln. Es waren vielleicht noch keine Gillette- oder Feather-Klingen – aber es war ein Anfang.
Make-up und Frisuren hatten religiöse und rituelle Symbolik.
In der Antike begann die Form und Länge des Bartes zunehmend den sozialen Status zu definieren. Im alten Ägypten wurde der lange, quadratische Kinnbart – mit Henna gefärbt, mit Goldfäden, Wolle und Palmblättern verziert und parfümiert – zum Zeichen für Adel und hohen Rang. Wer königlicher Abstammung war, trug sogar einen künstlichen Bart aus glänzendem Metall, der mit einem goldenen Band am Kinn befestigt wurde und oft nach oben gebogen war, um die göttliche Herkunft zu symbolisieren.
Gleichzeitig waren die Ägypter nahezu besessen davon, jede Spur von Körperbehaarung zu entfernen. Nur hochrangige Personen durften Bart tragen, während das einfache Volk und Sklaven glatt rasiert sein mussten. Nicht nur der Kopf wurde rasiert – auch andere Körperhaare wurden entfernt. Stattdessen trug man Kopftücher gegen die Sonne. Angehörige der Oberschicht trugen prächtige Perücken, die mit ähnlichen Materialien verziert waren wie die Bärte. Neben ästhetischen Gründen spielte auch Hygiene eine Rolle, da langes Haar in heißem Klima leicht zu Parasitenbefall führen konnte.
Moses gilt häufig als Archetyp des bärtigen, weisen und mächtigen Anführers. Auch in der Bibel wird erwähnt, dass Gottes Auserwählte einen Bart tragen sollten. Nachdem Moses gegen den Pharao auftrat, gewann der Bart zunehmend an Bedeutung als Symbol für Macht und Führung – etwa im alten Indien, wo ein langer gepflegter Bart Weisheit signalisierte. Das öffentliche Abschneiden eines Bartes galt dort als besonders demütigende Strafe.
Die Ägypter waren nahezu besessen davon, jede Spur von Körperbehaarung zu entfernen.
Auch im Nahen Osten wurde der Bart mit großer Sorgfalt gepflegt. In Assyrien wurden Bärte geölt und kunstvoll gelockt. Perser und Babylonier entwickelten früh Werkzeuge für diese aufwendige Pflege. Aus Babylon und der Zeit des Kaisers Hammurabi um 1700 v. Chr. stammen auch die ersten Hinweise auf den Beruf des Barbiers.
Im antiken Griechenland galt der Bart als Zeichen für Status, Weisheit und männliche Stärke. Doch mit Alexander dem Großen änderte sich alles. Er führte den glatt rasierten Stil ein, auch aus militärischen Gründen: Im Kampf konnten Gegner den Bart greifen. Deshalb befahl Alexander seinen Soldaten, sich zu rasieren – und der Trend setzte sich schnell durch.
Pflegen Sie Ihren Bart
Die Römer folgten zunächst diesem Ideal, und im antiken Rom galt Bartwuchs lange Zeit als ungepflegt. Die erste Rasur eines jungen Mannes wurde zu einem Initiationsritus, bei dem die abgeschnittenen Barthaare den Göttern geopfert wurden. Später änderte sich der Trend jedoch wieder, als Kaiser Hadrian den Vollbart populär machte.
Der russische Zar Iwan der Schreckliche war dagegen ein überzeugter Befürworter des Bartes.
Im Mittelalter schwankte die Einstellung zum Bart stark je nach Region und Zeit. Während einige Herrscher Bartstile ablehnten, förderten andere sie. In Russland wurde der Bart unter Zar Peter dem Großen sogar besteuert.
Auch die Kirche hatte eine wechselhafte Haltung gegenüber Bärten. 1096 erklärte der Bischof von Rouen in der westlichen Christenheit Gesichtsbehaarung für unzulässig. Wer sich nicht rasierte, konnte aus der Kirche ausgeschlossen werden. In der orthodoxen Tradition dagegen galt der Bart weiterhin als Zeichen von Weisheit und Frömmigkeit.
Ritter im Hochmittelalter waren meist glatt rasiert, da Bärte unter dem Helm unpraktisch waren. Erst im Spätmittelalter kehrten Bartmoden zurück.
Die unsichere Modeentwicklung führte dazu, dass Barbiere ihr Tätigkeitsfeld erweiterten. Sie übernahmen medizinische Aufgaben wie Amputationen, Aderlass oder Zahnbehandlungen. Daher stammt auch das bekannte rot-weiße Barbierstangensymbol.
Die roten Streifen auf weißem Grund sollen aus der Zeit stammen, als Barbierhandtücher vom Blut der Patienten gefärbt wurden.
In der Renaissance blühte männliche Mode und Eitelkeit auf. Auf Porträts von Herrschern wie Gustav Vasa oder Heinrich VIII. erkennt man aufwendige Kleidung und kunstvolle Bartformen. Im 17. Jahrhundert wurden elegante Spitzbärte und gedrehte Schnurrbärte populär.
Im 18. Jahrhundert verdrängten Perücken den Bart als Statussymbol. Gepuderte Gesichter und glatte Haut galten als vornehm, während Bärte mit Bauern assoziiert wurden.
Nach der Französischen Revolution im frühen 19. Jahrhundert erlebten Bärte eine neue Blüte. Besonders Koteletten und Schnurrbärte wurden populär. Berühmte Persönlichkeiten wie Abraham Lincoln, Charles Dickens oder Karl Marx trugen markante Bärte.
1907 wurde sogar eine „Bartsteuer“ diskutiert.
Der Erste Weltkrieg brachte wieder den glatt rasierten Stil zurück, da Gasmasken mit Bärten nicht richtig funktionierten. Gleichzeitig verbreiteten sich moderne Rasierklingen und Sicherheitshobel.
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In den 1950er-Jahren begannen Filmstars und Musiker neue Trends zu setzen. Später sorgten Popkultur und Jugendbewegungen dafür, dass Bartstile wieder vielfältiger wurden. In den 1960er- und 1970er-Jahren symbolisierte der Bart Freiheit und Protest.
Als Yuppie konnte man den Elektrorasierer mit der Geschwindigkeit eines Pumas schwingen.
In den 1980er-Jahren wurde der glatt rasierte Look wieder populär, bevor Grunge und alternative Kulturen in den 1990ern neue Barttrends brachten. Heute sind sowohl Vollbart als auch glatte Rasur akzeptiert – entscheidend ist der persönliche Stil.
Heutzutage erlebt der Vollbart eine neue Renaissance bei Jung und Alt. Gleichzeitig ist die Wahl freier als je zuvor. Welchen Stil Sie auch wählen – er sollte zu Ihnen passen.