oud – das flüssige Gold
Geschrieben von Glenn Lauritz Andersson & Denis Vasilije, Duftexperten
Aktualisiert am 2026-05-27
Oud (oder Agarholz) ist einer der exklusivsten Parfümrohstoffe der Welt – mit einem aromatischen, tiefen Duft und einem Marktwert, der mit Gold vergleichbar ist. Doch warum ist Oud so kostbar? Gibt es verschiedene Arten von Oud und wie riechen sie? Begleiten Sie uns auf eine Reise in die geheimnisvolle Welt des Ouds.

Zusammenfassung
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Der Artikel beleuchtet die Geschichte und Herkunft von Oud und erklärt, warum dieser exklusive Rohstoff oft als „flüssiges Gold“ bezeichnet wird.
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Hier wird erklärt, wie Oud aus Agarholz gewonnen wird und wie das Duftprofil von weich-holzig und elegant bis hin zu dunkel, rauchig und animalisch variieren kann.
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Im Fokus stehen die kulturelle Bedeutung von Oud, die Handwerkskunst hinter dem Rohstoff und seine einzigartige Stellung innerhalb der luxuriösen Parfümerie.
Oud, Agarholz, Adlerholz, Aloeholz – viele Namen für denselben kostbaren Rohstoff. Oud ist ein dunkles Kernholz, das aus dem Baum Aquilaria agallocha gewonnen wird, der in 15 verschiedenen Arten in Südostasien, Indochina, Indien und Bangladesch vorkommt. Aquilaria-Bäume können bis zu 40 Meter hoch werden, und ihr Holz ist ursprünglich hell gefärbt. Wenn der Baum von einer bestimmten Schimmelpilzart namens Phialophora parasitica befallen wird, reagiert er mit der Produktion eines dunklen und aromatisch duftenden Ölharzes. Je stärker Rinde, Wurzeln oder Äste vom Pilz und Harz befallen sind, desto dunkler wird das Holz und desto mehr – und qualitativ besseres – Öl kann daraus destilliert werden. Dies geschieht entweder durch das Einweichen des Holzes in Wasser oder durch Dampfdestillation. Nach der Destillation wird das Holz getrocknet und anderweitig verwendet; manchmal wird es zusätzlich ein oder mehrere weitere Male destilliert.
Geschichte und Verwendung
Oud wird bereits in der Bibel als Aloe erwähnt (nicht zu verwechseln mit der Heilpflanze Aloe Vera), und man weiß, dass es im Mittelmeerraum und im Nahen Osten als Heilmittel verwendet wurde. Gleichzeitig war es als Duftstoff bei Ägyptern, Juden und anderen Völkern der Region beliebt. Die Römer – die es wiederum über Handelswege aus Arabien erhielten – brachten das Holz nach Europa. Napoleon, der ansonsten ein großer Liebhaber zitrischer Colognes war, soll den Duft ebenfalls geliebt haben.
Seit Tausenden von Jahren wird Agarholz von Muslimen, Hindus und Buddhisten als Räucherwerk bei Meditationen verwendet. Zudem spielte es in unterschiedlichen Formen eine wichtige Rolle innerhalb der Naturmedizin in Asien, Indien und Europa – genutzt für so unterschiedliche Zwecke wie Betäubung, antibakterielle Anwendungen, Übelkeit, Durchfall, Ruhr, Tumore und Atemwegsprobleme. Nicht schlecht für ein Stück Holz, oder?
Vor allem als Duftöl und Parfümessenz ist Oud jedoch in der modernen Zeit geradezu mythisch geworden – nicht zuletzt, weil Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den größten Importeuren dieses Rohstoffs gehören.
Ein luxuriöser und exklusiver Rohstoff
Oud gilt auf dem Rohstoffmarkt als das teuerste Parfümöl der Welt und wird deshalb oft als „das flüssige Gold“ bezeichnet. Die teuersten Qualitäten erreichen schwindelerregende Marktpreise von bis zu einer Million schwedischen Kronen pro Liter. Die Weltmarktpreise schwanken ansonsten stark und beginnen bei etwa 30.000 Pfund pro Liter aufwärts – ein üblicher Preis bei Importeuren liegt bei rund 500 schwedischen Kronen pro Milliliter.
Warum diese enormen Summen? Einer der Gründe ist, dass die Gewinnung des Öls äußerst kostspielig und arbeitsintensiv ist. Nur jeder zehnte Baum wird überhaupt vom Pilz befallen, und es werden große Mengen Harz benötigt, um eine kleine Menge Öl zu extrahieren. Zudem stand der Agarholzbaum aufgrund von Abholzung und illegalem Handel ständig kurz vor dem Aussterben. Deshalb wurde er im Rahmen des internationalen CITES-Abkommens unter Schutz gestellt – mit Regulierungen und Exportlizenzen, um den Handel mit bedrohten Arten zu verhindern und sicherzustellen, dass der Rohstoff aus ethisch vertretbaren Quellen stammt.
Das steigende Interesse an Oud in der Parfümerie hat darüber hinaus dazu geführt, dass die Nachfrage auch auf dem europäischen Markt explosionsartig gestiegen ist. Deshalb gibt es heute umfangreiche Neuanpflanzungen vor allem in Asien sowie synthetisch hergestellte Oud-Akkorde, die in den Basisnoten günstigerer Parfüms eingesetzt werden – Inhaltsstoffe, die jedoch hinsichtlich Qualität, Komplexität und Wärme nicht mit echtem Oud konkurrieren können.
Verschiedene Oud-Typen und Duftcharaktere
Wer fragt, wie Oud (arabisch oudh) eigentlich riecht, riskiert eine komplizierte und ausführliche Antwort. Oud kann unglaublich facettenreich sein und viele Gesichter besitzen – abhängig vom Alter des Baumes, der Lagerzeit des Ouds, der Herkunftsregion sowie der Art und Anzahl der Extraktionen des Öls.
Ein Oud-Duft muss nicht zwangsläufig bombastisch und überwältigend sein. Er kann auch dezent wirken und dennoch jene tiefe, moschusartige Basis besitzen, die für diesen besonderen Rohstoff typisch ist. Parfüms dieser Art sind oft hervorragende Einstiege in die Welt des Ouds. Sie sind im Allgemeinen holzig-würzig, floral und leicht trocken sowie ausgesprochen elegant und sophisticated – oft mit einem gewissen Maß an Frische, wenn sie mit den richtigen Noten kombiniert werden. Kurz gesagt vermitteln diese Oud-Versionen häufig einen „gut gekleideten“ oder businessartigen Eindruck, was sie vergleichsweise leicht tragbar macht.
Hier handelt es sich meist um synthetisches Oud oder um die „Interpretation“ von Oud durch die jeweilige Marke, wie etwa bei Byredos „Oud Immortel“, Birkholz’ „Supreme Oud“ oder Acqua di Parmas „Oud“, obwohl beispielsweise D.S & Durgas „Notorious Oud“ tatsächlich auch indonesisches Oud enthält.
Da Oud eine solche Popularität erreicht hat, wird es zunehmend als Basisnote in zahlreichen Parfüms eingesetzt, um Tiefe und dunkle Schwere zu verleihen – manchmal mit deutlich erkennbarem Oud-Charakter, manchmal sehr subtil. Ein gelungenes Beispiel ist „London“ der Marke Widian aus Abu Dhabi, bei dem das Oud als Fundament unter den Hauptnoten Himbeere, Leder und Weihrauch ruht. Oder Benjamin Barbers „Oud X“, bei dem das Oud das orientalische DNA-Gefühl gemeinsam mit süßen Gewürzen, Safran und der Süße von Datteln verstärkt, während das Oud im kraftvolleren und herausfordernderen „Romulus“ eine animalische, fast tierische Süße zusammen mit Leder und Vanille hervorruft.
Geht man noch weiter in Richtung seltener und extrem einzigartiger Oud-Arten, stößt man auf „Kyara“ – heute ausgestorben und nur noch in einem begrenzten Lagerbestand bei der außergewöhnlichen japanischen Marke Di Ser vorhanden. Auch dies ist ein Beispiel für jene eleganten, naturinspirierten Oud-Düfte, die sich nicht aggressiv in den Vordergrund drängen, obwohl sie einen höchst besonderen Charakter besitzen. Mit ihrer dunklen, leicht feuchten Aura erinnern sie beinahe an ein verlassenes Sommerhaus, Moos und Holzvertäfelungen aus den Partykellern der 70er-Jahre. Exklusiver geht es kaum, denn der Rohstoff existiert in der Natur nicht mehr und der Preis spiegelt dies selbstverständlich wider.
Die animalischsten Oud-Varianten stammen häufig aus Ländern wie Kambodscha, Bangladesch und Indien. Kambodscha gab sogar einem der „schmutzigsten“ Parfüms überhaupt seinen Namen – dem Öl „Kampuchea Noir“ der italienischen Marke Xerjoff. Es kostet nicht nur Millionen pro Liter, sondern wird zudem aus wildem Oud aus dem kambodschanischen Urwald gewonnen, was es extrem selten macht. Der konzentrierte Duft kann Anfänger zunächst schockieren, entwickelt sich jedoch zu einer außergewöhnlich eleganten und raffinierten Kreation.
Ähnliche animalische Duftbomben derselben Marke sind auch „Ceylon“ aus der Oud-Stars-Serie – ein süßes Oud mit deutlich „schmutzigen“ Facetten.
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