wie baut man ein parfum auf?
Über den magischen Prozess der Parfumherstellung
Verfasst von GlenN lauritz andersson & denis vasilije, Duftexperten
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein Duft von Grund auf entsteht?
Warum verwendet man Alkohol? Woraus bestehen die einzelnen Stoffe eigentlich – und wie werden sie gemischt? Werfen wir einen genaueren Blick auf den kreativen, aber anspruchsvollen Prozess hinter Ihrem Lieblingsparfum.

Zusammenfassung
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Die Kreation eines Parfums ist ein kreativer Prozess, bei dem Duftstoffe sorgfältig in Alkohol gelöst werden, um das richtige Gleichgewicht der Noten zu erreichen.
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Der Prozess erfordert Experimente mit Kopf-, Herz- und Basisnoten sowie wiederholte Tests und Anpassungen.
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Nach dem Mischen reift das Parfum, wird geprüft und anschließend gefiltert und abgefüllt.
Das Handwerk der Duftkreation reicht bis in die Antike zurück, als unter anderem Griechen, Ägypter und Römer mit parfümierten Ölen und Salben experimentierten – eine Praxis, die sich später im Nahen Osten verbreitete. Die arabische Kunst der Entwicklung von Duftölen gelangte über Handelsrouten nach Europa. Im Mittelalter wurden parfümierte Öle sowie aromatische Gewürze und Pflanzen auch zu medizinischen Zwecken verwendet, da man ihnen eine schützende Wirkung gegen Krankheiten zuschrieb.
In Europa gilt insbesondere Italien als Ursprungsland der modernen Parfumkunst. Wer den Film Das Parfum gesehen hat, erhielt möglicherweise einen Einblick in den Arbeitsprozess, der – wenn auch mit dramatischen Elementen – die Grundprinzipien der heutigen Parfumherstellung widerspiegelt: nämlich verschiedene Duftstoffe in Alkohol zu lösen. Einige vertreten jedoch die Ansicht, dass das ungarische „Königinnenwasser“ aus dem 14. Jahrhundert – der Vorläufer des klassischen Eau de Cologne – bei dem Gewürze wie Rosmarin erhitzt und aus Wein destilliert wurden, die früheste bekannte Variante darstellt.
Kurz gesagt besteht die Parfumherstellung darin, Duftstoffe aus Blüten, Gewürzen, tierischen Fetten, Hölzern usw. zu extrahieren, sie in Alkohol und Wasser zu lösen, in den richtigen Proportionen zu mischen sowie anschließend zu filtern und reifen zu lassen. Ziel ist es, einen Duft mit ausgewogener Notenstruktur, charakteristischer Ausprägung und den gewünschten Erinnerungen und Assoziationen zu erschaffen, die der Parfümeur vermitteln möchte. Es handelt sich in hohem Maße um ein persönliches und künstlerisches Handwerk.
die inhaltsstoffe
Die Grundbestandteile eines Parfums sind ätherische Öle aus Früchten, Gewürzen, Pflanzen, Holzharzen, wachsartigen tierischen Substanzen usw., die mithilfe von Alkohol extrahiert werden. Ätherische Öle sind in ihrer reinen Form viel zu intensiv, um direkt verwendet zu werden.
Die Konzentration wird je nach gewünschtem Dufttyp gewählt: Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum, Parfum oder Extrait, wobei Letzteres die höchste Konzentration aufweist. Einige Marken – wie die besonders reinen Kompositionen von Profumum Roma – enthalten einen außergewöhnlich hohen Anteil an Duftölen im Verhältnis zum Lösungsmittel (etwa 43 Prozent).
Mitunter können auch vollständig synthetische Noten äußerst kraftvolle Parfums hervorbringen, sofern die Formel stark genug ist – wie bei Nasomatto und Orto Parisi, da synthetische Moleküle sich wie ein Schleier auf die Haut legen können. Dies erfordert jedoch meist ein anderes Niveau als die synthetischen „Commercial Scents“, die man in Designerregalen findet.
Beim Aufbau eines Parfums orientiert man sich an drei Hauptgruppen, in die ein Duft gegliedert ist:
Kopfnoten: Zitrusnoten, Früchte, Petit Grain, bestimmte Gewürze oder Blüten. Sie sind meist flüchtig, eröffnen den Duft und weichen anschließend den
Herznoten: dem Kern des Parfums, der seinen hauptsächlichen Ausdruck bestimmt. Florale Noten dienen hier häufig als Bausteine – sie sind nicht immer dominant wahrnehmbar, aber vorhanden. Ebenso finden sich würzige, pfeffrige Elemente sowie süße Noten wie Vanille und Tonkabohne oder grüne Akzente wie Vetiver, Rosmarin und Wacholder.
Basisnoten: das Fundament des Duftes und jene tiefen Noten, die am längsten anhalten. Hier begegnet man häufig schwereren Ingredienzen wie Amber, Oud, verschiedenen Hölzern, Leder, Weihrauch und mehr. Viele dieser Stoffe können jedoch – je nach gewünschter Gewichtung – auch in den oberen Ebenen erscheinen.
Ebenso ist es üblich, synthetische Inhaltsstoffe hinzuzufügen, die im Labor hergestellt werden – beispielsweise als Ersatz für das kostspielige Oud-Öl aus Agarholz oder für Ambergris, das häufig in Basisnoten vorkommt, jedoch aus wirtschaftlichen oder praktischen Gründen selten in natürlicher Form verwendet wird. Gleiches gilt für Moschus, dessen tierischer Ursprung westliche Hersteller meist meiden. Amber ist eine von mehreren synthetisch entwickelten Noten, die Tiefe verleihen sollen.
Darüber hinaus existieren vorgemischte Kombinationen von Duftölen, sogenannte Extraits oder „Extracts“, die auf dieselbe Weise wie einzelne Noten verarbeitet werden.
der prozess
Das Parfum wird schrittweise aufgebaut, indem die verschiedenen Duftöle oder Extrakte tropfenweise in die Alkohollösung gegeben werden. Die richtige Balance und Charakteristik zu finden, gleicht oft einem kreativen Puzzle. Welche Note gehört in welche Ebene der Pyramide – und in welchem Verhältnis zu den anderen? Man fügt die passende Anzahl Tropfen hinzu, riecht, notiert, wiederholt und testet so lange, bis die gewünschte Duftbalance erreicht ist.
Anschließend reift die fertige Mischung über einen bestimmten Zeitraum, bis sie ihren gewünschten Charakter entwickelt hat. Ein zu früh abgefülltes Parfum kann stark nach Alkohol riechen, weshalb ein Reifeprozess notwendig ist. Während dieser Phase überprüft der Parfümeur das Ergebnis, um zu bestimmen, wann es bereit für die Abfüllung ist. Man denke an die Weinherstellung – das Prinzip ist vergleichbar. Die Reifezeit kann zwischen 48 Stunden und bis zu einem Monat variieren. Danach wird die Mischung gefiltert und gegebenenfalls mit Glycerin ergänzt.
Zum Schluss wird das Parfum in einen eleganten Flakon gefüllt und mit einem ansprechenden Etikett versehen.
All dies mag einfach klingen, doch die Kreation eines Duftes, der es tatsächlich wert ist, auf die Haut gesprüht zu werden, erfordert künstlerisches Gespür, Kreativität sowie umfassendes Wissen und Erfahrung. Eine besondere persönliche Erfahrung – vielleicht sogar Gänsehaut – hervorzurufen, verlangt noch mehr. Behalten Sie dies im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal Ihren Lieblingsduft genießen: Ein Parfum zu erschaffen ist eine Kunstform, so komplex und feinfühlig wie jede andere – oft das Ergebnis von Schweiß, Tränen und harter Arbeit des Parfümeurs.