die duftnoten des herbstes

Geschrieben von GlenN Lauritz Andersson & Denis Vasilije, Duftexperten

Der Herbst ist da, und Duftliebhaber greifen häufig zu Parfums, die wärmer und dunkler wirken, um besser zur Jahreszeit zu passen. Wir werfen einen genaueren Blick auf einige Duftnoten mit diesen Eigenschaften – Noten, die die herbstliche Dunkelheit angenehmer machen.

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Zusammenfassung

  • Die Duftwelt des Herbstes wird von warmen, kräftigen und dunkleren Noten wie Leder, Gewürzen und Gourmand-Akkorden geprägt, die in den kälteren Monaten Wärme und Tiefe verleihen.

  • Leder in Kombination mit Aromen wie Lavendel, Honig oder Frucht sorgt für Komplexität, während Gewürze wie Safran, Zimt und Pfeffer Charakter und Balance in Herbstparfums schaffen.

  • Süße Gourmandnoten wie Vanille, Rum oder Whisky gewinnen mit sinkenden Temperaturen an Reiz und verleihen der Basis herbstlicher Düfte eine sinnliche Dimension.


Leder ist vielleicht die Duftnote, die in den letzten Jahren am stärksten an Beliebtheit gewonnen hat und besonders im Herbst und Winter zur Geltung kommt, da sie Wärme und Gewicht verleiht. Leder kann zudem beleben und das Selbstbewusstsein stärken. Die Note kann Assoziationen hervorrufen, die von frisch polierten, eingeölten Schuhen und Lederjacken bis hin zu warmen Tierhäuten und animalischen Anklängen reichen. Je nach Kombination mit anderen Inhaltsstoffen kann Leder viele unterschiedliche Ausdrucksformen annehmen. In Verbindung mit Lavendel kann Leder beispielsweise das Gefühl einer Handschuhmacherwerkstatt oder einer Schneiderei hervorrufen. Rose sowie Honig oder Frucht harmonieren ebenfalls hervorragend mit Leder und bringen verschiedene Arten von Süße ein, die die für Leder typische Trockenheit ausgleichen und insbesondere während der rauen, dunklen Herbstzeit eine besonders üppige Wirkung entfalten.

Gewürze wie Safran, Zimt, Pfeffer und Kardamom eignen sich hervorragend für den Herbst und die gesamte Winterzeit. Wärmender als diese Zutaten geht es in den dunklen, kalten Monaten kaum, und je nach verwendetem Gewürz entstehen unterschiedliche Assoziationen. Safran wird in Nordeuropa häufig mit der Weihnachtsbäckerei verbunden, ist jedoch im Kern ein exotisches Gewürz, das seit Jahrtausenden in wärmeren Regionen angebaut wird – und zudem sehr kostbar ist. Pfeffer in seinen verschiedenen Formen, insbesondere schwarzer Pfeffer, verleiht eine dunkle Würze und Trockenheit, bringt aber zugleich eine raffinierte Eleganz mit sich und dient oft als wirkungsvoller Kontrast zu frischen oder fruchtigen Noten, um Balance und Tiefe zu schaffen. Zimt und Kardamom finden sich häufig in exotischen Düften zusammen mit Safran, Leder oder Oud und verstärken das Gefühl indischer oder arabischer Essenzen, wie etwa in der orientalischen Eau-de-Parfum-Linie von Penhaligon’s.

Süße sogenannte Gourmandnoten wie Vanille, Rum, Whisky und Honig werden ebenfalls umso begehrenswerter, je näher wir der dunklen Jahreszeit kommen. Im Sommer können sie oft zu schwer und üppig wirken, doch im Herbst und Winter suchen wir häufig nach etwas Fülligem und leicht Dekadentem, das Trost spendet und zugleich ein Gefühl von Sinnlichkeit und Genuss vermittelt. Vanille liegt meist als reichhaltige Basisnote im Spektrum vieler Parfums, kann aber auch eine ganz eigene Identität entwickeln und beinahe karamellig oder sogar butterscotchartig wirken. Honig eignet sich hervorragend als Ergänzung in dunklen Düften in Kombination mit Leder, Oud oder Hölzern. Rum wird häufig eingesetzt, um eine cremige, alkoholische Süße zu erzeugen, während Whisky hingegen eine warme, deutlich rauchigere und fast brennstoffartige Note hinzufügt, die besonders gut zu Lederdüften passt. Gourmand-Düfte können zudem beerige Zutaten enthalten, die sich in Verbindung mit Vanille oder grünen Noten zu cremigen, dessertartigen Kompositionen entwickeln.

Holzige Düfte, allen voran Oud (Agarholz), das kostbare Holz aus Regionen wie Indonesien, Indien und dem Nahen Osten, zählen vermutlich zu den dunkelsten und vollsten Duftnoten, die man im Herbst tragen kann. In manchen Parfums wird ein Oud-Akkord geschaffen, um dem Duft eine bestimmte Charakteristik zu verleihen, während andere reine Oudöle enthalten (keineswegs eine günstige Zutat). Hier finden sich äußerst kraftvolle aromatische Kreationen in reinen Oudparfums von Häusern wie Bortnikoff und Xerjoff, ebenso wie elegantere und raffiniertere Oud-Kompositionen des französischen Hauses Fragrance Du Bois, die alle in irgendeiner Form 100 % reines Oud enthalten. Es ist eine Note, die anderen Duftakkorden eine wärmende, reichhaltige Basis verleiht, während sie in ihrer eigenständigen Form dunkel und überwältigend wirken kann – von floral-würzig oder holzig bis hin zu kühn exotisch und animalisch.